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HDI Rentner-Studie: Hohe Reformbereitschaft bei Jung und Alt − große Zweifel am Generationenvertrag
Die junge und ältere Generation in Deutschland eint eine auffallend hohe Bereitschaft für Reformen – verbunden mit einer gemeinsamen Unsicherheit über die langfristige Verlässlichkeit des Rentensystems. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Rente liefert die HDI Rentner-Studie 2026 ein generationsübergreifendes Stimmungsbild.
Rund die Hälfte der Befragten hat wenig Vertrauen in den Generationenvertrag – sowohl in der jungen Generation zwischen 18 und 35 Jahren (51 %) als auch unter den heutigen Rentnern zwischen 63 und 70 Jahren (47 %). Lediglich 17 Prozent der jungen Generation und neun Prozent der Rentner geben an, großes oder sehr großes Vertrauen in das System zu haben. Als Hauptursachen dafür, dass das Rentensystem unter Druck geraten ist, nennen beide Gruppen vor allem das Missverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern infolge des demografischen Wandels. Beide Generationen sehen das Nichteinzahlen von Beamten und Selbständigen (junge Menschen: 33 %; Rentner: 71 %) sowie die Vernachlässigung der Reform des Rentensystems (junge Menschen: 42 %; Rentner: 65 %) über einen langen Zeitraum als Hauptfaktoren.
Dazu Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG und verantwortlich für das Ressort Leben & Bancassurance: „Unsere Studie zeigt: Die Rentenfrage ist längst kein klassischer Generationenkonflikt mehr, sondern eine gemeinsame Sorge. Gleichzeitig zeigen sich viele Menschen offen für Reformen. Jetzt ist die Politik gefragt, daraus tragfähige und generationengerechte Rahmenbedingungen zu schaffen.“
Beispielsweise befürworten knapp drei Viertel (74 %) der Befragten der jungen Generation die neue Aktivrente, die Rentnern die Möglichkeit eines steuerfreien Hinzuverdienst von 2.000 Euro nach dem Renteneintrittsalter bietet. Auch unter den Rentnern hätte eine frühere Aktivrente Zuspruch gefunden.
Gleichzeitig zeigt die Studie überraschend viel gegenseitiges Verständnis: 70 Prozent der jungen Generation haben Verständnis für die Kritik der älteren Generation am Rentensystem; unter den Rentnern liegt dieser Wert mit 69 Prozent Verständnis für die Kritik der jüngeren Generation nahezu identisch.
Die Studie zeigt jedoch nicht nur Skepsis gegenüber dem Status quo, sondern auch eine hohe Bereitschaft für Veränderungen und Reformen. Große Zustimmung erhalten unterschiedliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Rentensystems: Unter den Rentnern befürworten 88 Prozent einen höheren Grundfreibetrag; 87 Prozent sprechen sich für eine Erwerbstätigenversicherung aus, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen. 81 Prozent unterstützen die Einführung einer Mindestrente.
In der jungen Generation erhält insbesondere die Mindestrente große Zustimmung (76 %). Ebenfalls hoch ist die Unterstützung für die sogenannte Aktivrente: 74 Prozent der jungen Befragten bewerten entsprechende Modelle positiv. 34 Prozent der heutigen Rentner hätten nach eigenen Angaben ebenfalls länger gearbeitet, wenn ein steuerfreier Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro möglich gewesen wäre.
Fabian von Löbbecke, Vorstand der HDI Lebensversicherung AG, verantwortlich für den Bereich Produkte/Neugeschäft Leben, betont: „Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen bereit sind, über neue Wege in der Alterssicherung nachzudenken. Dazu zählen neue Finanzierungswege und ergänzende Vorsorgemodelle. Die gesellschaftliche Debatte dreht sich zunehmend nicht mehr um das Ob von Veränderungen, sondern um die Frage, wie faire und langfristig tragfähige Lösungen aussehen können.“
Die Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Generationen beim erwarteten Renteneintritt: Während heutige Rentner durchschnittlich mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen sind, rechnet die junge Generation erst mit einem durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 69 Jahren. Gleichzeitig würden die 18- bis 35-Jährigen am liebsten bereits mit durchschnittlich 60 Jahren in Rente gehen. Hier klafft eine große Lücke zwischen Wunsch und erwarteter Wirklichkeit. Nur 38 Prozent der jungen Generation können sich vorstellen über ihr tatsächliches Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.
Steigende Lebenshaltungskosten belasten beide Generationen stark: 82 Prozent der Rentner und 77 Prozent der jungen Generation empfinden sie aktuell als belastend. Als größte finanzielle Sorge nennen beide Gruppen insbesondere Lebenshaltungs-, Wohn- und Gesundheitskosten.
Dazu passend blickt die junge Generation auch skeptisch auf ihre finanzielle Situation im Alter: 21 Prozent erwarten bereits heute, ihren Lebensstandard im Ruhestand nicht halten zu können. Nur 13 Prozent gehen davon aus, dies später ohne finanzielle Abstriche zu schaffen.
Die Sorgen vieler jüngerer Menschen vor finanziellen Einschränkungen im Alter decken sich teilweise mit der heutigen Realität vieler Rentner. Lediglich 22 Prozent der Rentner geben an, ihren Lebensstandard im Ruhestand ohne Abstriche wahren zu können. Knapp jeder vierte Rentner (23 %) kann den gewohnten Lebensstandard nach eigenen Angaben überhaupt nicht halten; weitere 53 Prozent müssen zumindest kleinere oder größere Einschränkungen hinnehmen. Doch selbst der aktuelle Lebensstandard erscheint der Mehrheit der befragten Rentner nicht sicher: Mehr als die Hälfte (54 %) der Rentner glauben angesichts steigender Lebenshaltungs- und Mietkosten nicht, ihn langfristig sichern zu können.
Vor dem Hintergrund der Unsicherheit über die gesetzliche Rente gewinnt private Vorsorge klar an Bedeutung. Drei Viertel der jungen Generation (75 %) sind überzeugt, künftig stärker privat vorsorgen zu müssen, um ihren Lebensstandard im Alter sichern zu können. Diese Erkenntnis schlägt sich jedoch noch nicht in der privaten Vorsorgebereitschaft nieder; 35 Prozent sorgen ausschließlich gesetzlich vor.
Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen bei der Art der Vorsorge. Junge Menschen setzen heute verstärkt auf renditeorientierte Anlageformen wie Aktien, Fonds oder Anleihen (44 %), Spareinlagen (37 %) und private Lebens- und Rentenversicherungen (30 %), während heutige Rentner häufiger über Betriebsrenten (55 %), Wohneigentum (44 %) oder klassische private Lebens- und Rentenversicherungen (40 %) abgesichert sind.
Mit Blick auf die besten Altersvorsorgeoptionen stehen für die junge Generation Wertpapiere wie Aktien, Fonds und Anleihen (39 %), ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung (38 %) sowie Spareinlagen (33 %) hoch im Kurs. 24 Prozent halten Wertgegenstände wie Gold, Schmuck, Kunst, Antiquitäten und 13 Prozent Kryptowährungen für effiziente Altersvorsorgemöglichkeiten.
Holm Diez hebt hervor: „Viele Befragte haben einen bemerkenswert nüchternen Blick auf das deutsche Rentensystem und erkennen dessen Grenzen. Ich bin davon überzeugt, dass künftig ein Zusammenspiel aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge für die finanzielle Sicherheit im Alter notwendig sein wird. Entscheidend wird sein, Vorsorge einfacher, verständlicher und breiter zugänglich zu gestalten. Ein wichtiger erster Schritt ist das Altersvorsorgereformgesetz, das kürzlich verabschiedet wurde. Das Thema Altersvorsorge bekommt jetzt wieder die erforderliche Aufmerksamkeit.“
Die HDI Rentner-Studie wurde 2026 zum dritten Mal in Folge gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Befragt wurden im YouGov-Panel insgesamt 1.079 Rentnerinnen und Rentner zwischen 63 und 70 Jahren sowie 1.021 Personen zwischen 18 und 35 Jahren in Deutschland, die quotiert nach Geschlecht eingeladen wurden. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 27. März und dem 8. April 2026.
Der Geschäftsbereich Privat- und Firmenversicherung Deutschland (HDI Deutschland) umfasst das deutsche Geschäft der Talanx AG mit Privat- und Firmenkunden sowie Selbstständigen. Zum Geschäftsbereich gehören Unternehmen der Marken HDI, neue leben, LifeStyle Protection. Die Talanx ist mit einem Versicherungsumsatz in Höhe von 49,0 Mrd. EUR (2025) und weltweit rund 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der großen europäischen Versicherungsgruppen. Die Talanx AG ist an der Frankfurter Börse im MDax sowie an der Börse in Hannover gelistet (ISIN: DE000TLX1005, WKN: TLX100).