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Für viele Mediziner eine zunehmend interessante Option

Mittlerweile gehören sie zum Alltag vieler Kliniken in Deutschland: Ärzte, die nicht fest angestellt sind, sondern auf freiberuflicher Basis in den Häusern ihren Dienst tun. Diese sogenannten Honorarärzte werden nach Angaben der Bundesärztekammer mittlerweile von rund 60 Prozent der Kliniken eingesetzt – bei steigender Tendenz. Diese Art der Tätigkeit ist im angelsächsischen Raum schon länger verbreitet. In Deutschland wurde ihre Entwicklung in den letzten Jahren insbesondere durch zwei Trends begünstigt.


Die Rahmenbedingungen haben sich verändert

Zum einen setzte sich auf berufsrechtlicher und gesetzlicher Ebene eine Liberalisierung durch, die das freiberufliche Arbeiten in Krankenhäusern erleichterte. So dürfen Kliniken seit Anfang dieses Jahres ausdrücklich auch die Leistungen von nicht fest angestellten Ärzten zur Abrechnung bringen.

Zum anderen verschärft sich der Ärztemangel, sodass die Verhandlungsposition der Mediziner gegenüber den Arbeitgebern stärker geworden ist. Mehr und mehr Klinikärzte entscheiden sich gegen eine klassische Tätigkeit als Angestellte. Sie bevorzugen es, in den Häusern als Freiberufler zum Einsatz zu kommen.


Achtung: Honorararzt-Tätigkeit kann verschiedene Formen annehmen

Dabei muss man zwischen verschiedenen Formen unterscheiden. Man versteht unter Honorarärzten sogenannte Vertretungsärzte, die nur zeitweise Aufgaben in den Abteilungen übernehmen, insbesondere um Personalengpässe zu überbrücken. Diese Ärzte verfügen häufig nicht über eine eigene Niederlassung.

Aber auch mit niedergelassenen Ärzten kooperieren die Einrichtungen unter dem Begriff der honorarärztlichen Tätigkeit. Die Mediziner kommen hier als Konsiliarärzte, also Ärzte mit speziellen Fachkenntnissen, oder als Belegärzte, die etwa Operationen durchführen, zum Einsatz.


Teure, aber für viele Kliniken notwendige Lösung

Kliniken erkennen im Einsatz von Honorarärzten durchaus Vorteile. „Es ist eine Möglichkeit, insbesondere bei temporären Engpässen, auf ärztliche Ressourcen zurückzugreifen“, sagt der Chef des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser, Bernhard Ziegler.
Zu den Schattenseiten zählen aus Sicht der Kliniken allerdings unter anderem die höheren Kosten. Honorarärzte verlangen in der Regel Stundensätze zwischen 60 und 90 Euro, was deutlich über den Kosten fest angestellter Kollegen liegt. Doch zahlreiche Häuser, insbesondere in ländlichen Gebieten, sind zur Aufrechterhaltung ihres Betriebes auf Honorarärzte angewiesen.

Ein häufig genanntes Motiv, Honorararzt zu werden, ist eine gewisse Unzufriedenheit mit den klassischen Strukturen im deutschen Gesundheitssystem. Eine Studie des Bundesverbandes der Honorarärzte e.V. (BV-H) zeigte, dass Honorarärzte bei ihrer ärztlichen Tätigkeit eine stärkere Autonomie erleben und über die Einteilung ihrer Arbeits- und Freizeit besser verfügen können als in Festanstellung.


Die Anästhesisten dominieren

Die 2010 erhobene Umfrage zeigt auch, welche Fachrichtungen dominieren. Am stärksten sind Anästhesisten vertreten (41,4 %), gefolgt von Allgemeinmedizinern (11,7 %), Internisten (11,3 %), Gynäkologen (8,2 %) und Allgemeinchirurgen (7,9 %) sowie Pädiatern (2,3 %), Psychiatern (2,3 %), Orthopäden/Unfallchirurgen (1,7 %) und Dermatologen (1,3 %).


Qualitätssicherung und Vermeidung von Scheinselbstständigkeit sind aktuelle Themen

Um die Einhaltung der fachärztlichen Qualitätsstandards auch im Honorararzt-Bereich sicherzustellen, bietet beispielsweise der Berufsverband BV-H die verbindliche Prüfung aller Qualifikationen und Zeugnisse an. Einige Vermittlungsagenturen achten mittlerweile darauf, dass die eingesetzten Ärzte aktuelle Referenzen vorweisen können.
Honorarärzte, die nicht über eine eigene Niederlassung verfügen, sollten darauf achten, dass sie von den Sozialversicherungsträgern nicht als sogenannte Scheinselbstständige eingestuft werden. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, für eine Vielzahl von Auftraggebern zu arbeiten, auf gewisse Formulierungen in den Verträgen zu achten und eine eigene Berufshaftpflichtversicherung vorweisen zu können.

lic. oec. HSG Frank Mortensen, Halle

Mitherausgeber von www.DerHonorararzt.de, dem Online-Magazin für freiberuflich tätige Klinikärzte.


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