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Wenn der Weg zur Schule sicher sein soll.

Weder ängstlich noch sorglos – was Eltern tun können, um den Schulweg ihrer Kinder sicherer zu machen

Eine gute Nachricht zuerst: Die Zahl der auf Deutschlands Straßen verunglückten Kinder ist seit Jahrzehnten rückläufig. Laut aktueller Verkehrsunfallstatistik verunglückten 2016 insgesamt 28.547 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr. Noch vor zehn Jahren lag die Zahl um 21 Prozent höher (34.534). Bei den schwer verletzten Kindern sank die Zahl im letzten Jahrzehnt um 35 Prozent auf aktuell 4.195 und die Anzahl der getöteten Kinder lag im letzten Jahr bei 66 – das sind 110 Prozent weniger als noch 2006.


Häufige Fehler von Kindern, die in Verkehrsunfälle verwickelt sind

So erfreulich diese Entwicklung ist, gilt es doch nach wie vor, die Teilnahme am Straßenverkehr für Kinder noch sicherer zu machen. Ein zentrales Thema hierbei ist der Schulweg, denn aus der Statistik geht auch hervor, dass besonders viele Kinder in den Zeiten verunglücken, in denen sie sich normalerweise auf dem Schulweg oder zurück befinden, sei es als Mitfahrer im PKW, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Die Unfallursachen sind vielfältig und zum Teil auf Faktoren zurückzuführen, die nur schwer zu beeinflussen sind: defekte Ampeln, unübersichtliche Baustellen, Falschparker, Raser oder schlechte Witterung. Solche Gegebenheiten machen auch Erwachsenen zu schaffen, aber Grundschüler sind aufgrund ihrer altersgebunden Fähigkeiten schnell überfordert und somit gefährdet.

Die Polizei registriert bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden, an denen Kinder beteiligt sind, besonders häufig, dass die jungen Fußgänger beim Überqueren nicht auf den Fahrzeugverkehr achten und dass sie plötzlich hinter einem Sichthindernis hervor auf die Fahrbahn treten. Bei den 6- bis 14-jährigen Radfahrern wird als häufigste Unfallursache eine falsche Straßenbenutzung genannt, außerdem Fehler beim Abbiegen, Anfahren und bei der Vorfahrt.


Das „Elterntaxi“ kann zum Sicherheitsrisiko werden

Die Risiken und Gefahren, die es mit Sicherheit auf dem Schulweg gibt, wollen immer mehr besorgte Eltern umgehen, indem sie ihre Kinder mit dem Auto zu Schule fahren. Nicht selten wird dann aus der gut gemeinten Absicht ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. So sehen Lehrer, Verkehrsverbände, Sicherheitsexperten und Polizei das „Elterntaxi“ äußerst kritisch. Zum einen, weil durch den stark verdichteten Fahrzeugverkehr zu den Bring- und Holzeiten konkrete Gefährdungssituationen vor den Grundschulen entstehen. Man ist spät dran, die Kinder springen aus dem Fahrzeug, laufen hektisch über die Straße, während die Autos Busspuren, Radwege und sich gegenseitig blockieren und in gefährliche Rangiermanöver ausweichen. Längerfristig, das wird inzwischen auch durch Studien belegt, wirken sich die Chauffeurdienste überfürsorglicher Eltern negativ auf die selbstständige Mobilität und auf das Selbstvertrauen ihrer Kinder aus.


Grundschulkinder lassen sich im Straßenverkehr leicht ablenken

Wie also können Eltern ihre Kinder am besten auf die Teilnahme im Straßenverkehr vorbereiten? Die Erwachsenen sollten zunächst einkalkulieren, dass es für Kinder im Grundschulalter noch schwierig ist, ihre Aufmerksamkeit zu steuern. Sie reagieren oft impulsiv auf starke Reize, etwa wenn Freunde auf der anderen Straßenseite auftauchen, und überhören durch die Ablenkung oft Geräusche im Straßenverkehr. Erst ab dem 8. Lebensjahr können sie Gefahren vorausschauend erfassen und sich über längere Zeit konzentrieren. Zudem ist die visuelle Wahrnehmung, sowohl am Rande des kindlichen Sehfeldes als auch in der Tiefe, noch nicht voll entwickelt. Deshalb fällt es Kindern in diesem Alter schwer, Entfernungen und Geschwindigkeiten einzuschätzen. Zudem haben Kinder schon allein aufgrund ihrer geringeren Körpergröße ihre Umwelt anders im Blick.


Was beim Schulwegtraining zu beachten ist

Für den Schulweg selbst gilt: Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste. Manchmal kann ein kleiner Umweg, der zum Beispiel über eine Ampelanlage führt, deutlich mehr Sicherheit bringen. Unbedingt sollte man dann aber auch mehr Zeit einplanen, damit die Kinder den Schulweg entspannt antreten können. Wenn Eltern mit ihren Kindern das richtige Verhalten an Kreuzungen, Fußgängerüberwegen und Ampelanlagen trainieren, darf auch der Hinweis an die Sprösslinge nicht fehlen, die Straße niemals zwischen parkenden Autos zu überqueren. Hat man den Weg – und auch den Rückweg – mehrmals mit den Kindern geübt, lässt man das Kind vorausgehen oder -fahren und bleibt selbst in „Eingreifnähe“ dahinter. Für junge Fahrradfahrer raten Experten, sie nicht vor der Fahrradausbildung (im 3./4. Schuljahr) auf dem Rad zur Schule zu schicken. Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen und Kinder bis 10 dürfen den Gehweg benutzen. Erst danach können sie auf einfachen Strecken problemlos alleine mit dem Rad unterwegs sein.

Bei alledem sollten die Erwachsenen nicht nur selbst ein gutes Vorbild sein sondern auch das richtige Maß zwischen zu großer Ängstlichkeit und übertriebener Sorglosigkeit finden. Dann können Kinder eine gesunde Selbstsicherheit und Vertrauen in das eigene Können entwickeln.

Autor des Textes ist der VERLAG DEUTSCHE POLIZEILITERATUR GMBH. Eine Vervielfältigung und Weiterleitung des Textes ist nicht gestattet.