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Wenn Kunden zu Dieben werden.

Ladendiebstahl sorgt bei Einzelhändlern für deutliche Verluste. Selbst wenn der einzelne Warenwert nicht besonders hoch ist: In der Summe können auch kleine Delikte zur wirtschaftlichen Belastung werden. Mit einem wirksamen Diebstahlschutz können Händler gegensteuern. Wir erklären Ihnen, wie Diebstahlprävention im Einzelhandel aussehen kann. So ist es zum Beispiel wichtig, die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Und auch mit der Inneneinrichtung Ihres Geschäfts können Sie vorbeugen. Technische Hilfsmittel wie Videokameras und spezielle Etiketten leisten ebenfalls einen Beitrag.


Ladendiebstahl sorgt für 2,26 Milliarden Euro Schaden

Inventurverluste in Höhe von insgesamt vier Milliarden Euro mussten die deutschen Einzelhändler allein im Jahr 2016 verzeichnen. Das zeigt die EHI-Studie „Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2017“. Hinzu kommt, dass die Händler rund 1,3 Milliarden Euro in Maßnahmen zur Diebstahlprävention und Warensicherung steckten. Dadurch sorgen die Inventurverluste insgesamt für Umsatzeinbußen von 1,3 Prozent bei den Einzelhändlern. Mit etwa 2,26 Milliarden Euro verursacht Ladendiebstahl durch Kunden den größten Schaden für Einzelhändler. Im Schnitt stiehlt jeder Bundesbürger Waren im Wert von 27 Euro pro Jahr. Es folgen Diebstahl durch eigene Mitarbeiter (820 Millionen Euro) und durch Lieferanten (300 Millionen Euro). Einbußen von rund 640 Millionen Euro sind dagegen auf organisatorische Ursachen zurückzuführen.

Eine Versicherung gegen gewöhnlichen Ladendiebstahl gibt es leider nicht. Als Händler sind Sie also selbst gefragt, potenziellen Dieben das Leben schwer zu machen, um derartige Verluste zu vermeiden. Die gute Nachricht: Investieren Sie zur Diebstahlprävention beispielsweise in eine Kameraüberwachungsanlage, zählt diese zum Inventar. Und das ist durch den Baustein Sachwerte & Erträge in der Versicherung für Einzelhändler von HDI abgedeckt.


Diebstahlprävention im Einzelhandel: Häufige Maßnahmen

Die EHI-Studie zeigt auch, was die Händler tun, um Ladendiebstahl zu verhindern: 96 Prozent setzen auf Mitarbeiterschulungen und 90 Prozent nehmen eine Datenauswertung der Warenwirtschaft vor. 83 Prozent analysieren Kassendaten. Bei den konkreten Maßnahmen im Geschäft liegt die offene Kameraüberwachung mit 78 Prozent vorne. 62 Prozent verlassen sich auf eine Artikelsicherung und 54 Prozent nutzen diebstahlhemmende Verkaufsträger. Kaufhausdetektive ohne (46 Prozent) und mit Kameraeinsatz (33 Prozent) sind ebenfalls beliebt. Uniformierte Wachleute, die abschreckend wirken sollen, werden von 43 Prozent der befragten Unternehmen eingesetzt.


Diebe erkennen und Ladendiebstahl verhindern

Die Mitarbeiterschulung ist eine der wichtigsten Maßnahmen zum Diebstahlschutz – wie auch die Studie zeigt. Ihr Personal sollte genau wissen, wie es Diebe erkennt und bei einem Ladendiebstahl richtig reagiert. Aufmerksame Mitarbeiter haben eine abschreckende Wirkung auf Personen mit unlauteren Absichten. Doch woran erkennt man verdächtige Kunden? Schließlich ist es nicht in Ihrem Interesse, ehrliche Käufer durch Anschuldigungen zu vergraulen. Diese Verhaltensweisen können einen Dieb verraten:

  • Genaues Beobachten der Verkäufer
  • Unruhiges Verhalten
  • Scheinbar zielloses Umherlaufen
  • Häufiger Blick auf die Ausgänge und eventuell vorhandene Kameras und Spiegel
  • Voluminöse Jacken und offene Taschen oder Rucksäcke
  • Artikel werden in der Hand gehalten, kein Korb oder Einkaufswagen
  • Gruppen von Menschen, die sich gegenseitig verdecken, um Ladendiebstahl zu tarnen

Wenn Mitarbeiter misstrauisch werden, sollten sie verdächtige Kunden ansprechen. Ein einfaches „Kann ich Ihnen helfen?“ zeigt dem potenziellen Dieb: Er ist aufgefallen und steht unter Beobachtung. Sollte es sich doch um einen ehrlichen Kunden handeln, freut er sich im Zweifelsfall eher über die Aufmerksamkeit und das Hilfsangebot.


Diebstahlschutz durch Einrichtung

Wer Ladendiebstahl vorbeugen will, sollte damit schon bei der Einrichtung seines Ladens anfangen: Helle, offene Räume vermitteln Dieben das Gefühl, beobachtet zu werden. Sie erleichtern es außerdem den Mitarbeitern, die Kundschaft im Blick zu behalten. Leicht erhöhte Kassen verstärken diesen Effekt. Spiegel in den Ecken sorgen dafür, dass diese von den Mitarbeitern überwacht werden können. Potenzielle Diebe werden dadurch auch abgeschreckt. Regale sollten nur so hoch sein, dass Kunden sich noch mit dem Blick verfolgen lassen. Auch bei der Anordnung der Waren gibt es Möglichkeiten zur Diebstahlprävention: Besonders gefährdete Artikel werden am besten in Sichtweite der Kassen positioniert. Falls möglich, sollten sie nur mit Bedienung durch einen Mitarbeiter angeboten werden, zum Beispiel an einer Theke oder in abgeschlossenen Schränken.


Mechanische Methoden zur Warensicherung

Besonders wertvolle Waren wie zum Beispiel technische Geräte lassen sich mit Schlössern und Drahtseilen sichern. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn die Präsentation in einer Glasvitrine Nachteile für die Kunden mit sich bringt: Sie können das Produkt nicht anfassen und ausprobieren, was bei einer Leinensicherung möglich ist. Vor allem kleine und wertvolle Waren lassen sich leicht unbemerkt einstecken. Das können Händler mit zusätzlichen großen Verpackungen verhindern, die für die Mitarbeiter besser sichtbar sind. Falls Sie Klebeetiketten verwenden, sollten Sie vorgestanzte Modelle nutzen. Diese lassen sich weniger leicht ablösen. Außerdem ist eine klare Kennzeichnung empfehlenswert, durch die sich die Ware Ihrem Geschäft zuordnen lässt. So kann ein gefasster Dieb später nicht behaupten, den Artikel bei einem anderen Anbieter gekauft zu haben.


Videoüberwachung und elektronische Sicherung

Kameraüberwachung kann ein effektives Mittel sein, um Ladendiebstahl zu verhindern. Allerdings ist es auch mit personellem Aufwand verbunden. Schließlich müssen die Bilder auch in Echtzeit überprüft werden. Attrappen können zwar abschreckend auf Kunden wirken, professionelle Diebe erkennen sie aber.

In vielen Läden kommen mittlerweile elektronische Warensicherungen zum Einsatz. Hier gibt es verschiedene Techniken und als Händler müssen Sie entscheiden, welche für die individuellen Gegebenheiten Ihres Geschäfts am besten geeignet sind. Grundsätzlich lässt sich zwischen sichtbarer und unsichtbarer Warensicherung unterscheiden: Eine deutlich erkennbare Sicherung, die beim Kauf vom Personal entfernt wird, hat auch einen psychologischen Effekt: Der Kunde nimmt die Ware als gesichert wahr. Zumindest Gelegenheitsdiebe lassen sich dadurch abschrecken. Eine versteckte Sicherung hat den Vorteil, dass sie für den Dieb nicht so leicht erkennbar ist. Sie wird beim Kauf an der Kasse nicht entfernt, sondern deaktiviert.


Ladendiebstahl bemerkt: Was tun?

Wenn Sie einen Dieb auf frischer Tat ertappen, dürfen Sie ihn festhalten. Rechtlich wird das als „vorläufige Festnahme“ bezeichnet. Voraussetzung ist aber, dass Sie den Diebstahl tatsächlich beobachtet haben und die Gefahr besteht, dass der Schuldige flüchtet. Sie dürfen den Täter auch verfolgen und festhalten. Allerdings kann Ihnen später unverhältnismäßige Gewalt vorgeworfen werden, wenn Sie dabei zu rabiat vorgehen. Und besonders wichtig: Die eigene Sicherheit geht immer vor. Begeben Sie sich also nicht in gefährliche Situationen, wenn Sie einen Ladendiebstahl bemerkt haben. Übrigens können Händler auch ein Hausverbot für Personen aussprechen, die in ihrem Laden gestohlen haben. Verstößt der Dieb dagegen, begeht er einen Hausfriedensbruch und macht sich strafbar.