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Wenn alte Liebe nicht rostet.

Seit es auf der Bank kaum noch Zinsen für die Ersparnisse gibt, erkennen neben den Liebhabern historischer Technik auch Investoren den Reiz betagter Automobile. Mit dem Ergebnis, dass der Wert mancher automobilen Raritäten durch die Decke geht.

Doch was ist eigentlich ein Oldtimer? Mit der Einführung des historischen Kennzeichens in der Fahrzeugzulassungsverordnung (§ 2, Nr. 22) hat der Gesetzgeber den Begriff des Oldtimers erstmals definiert. Oldtimer sind demnach mindestens 30 Jahre alte Fahrzeuge, die „weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“. Für Oldtimer gelten gegenüber Alltagsautos niedrigere Steuersätze und es sind günstigere Spezial-Versicherungen erhältlich.


Youngtimer als Vorstufe zum Oldtimer

Der Begriff „Youngtimer“ bezeichnet Liebhaberfahrzeuge, die schon einen gewissen Wert haben und vielleicht eine Rarität darstellen, aber für echte Oldtimer noch nicht alt genug sind. Üblicherweise spricht man bei gepflegten Sammlerfahrzeugen im Alter von 20 bis 30 Jahren von Youngtimern. Ab 30 Jahren können diese Fahrzeuge zum Oldtimer aufsteigen. Youngtimer werden häufiger als Oldtimer noch regelmäßig im Alltag bewegt. Die Reparatur von solchen Autos erfolgt oft auf pragmatische Weise und nicht immer so, dass der Originalzustand respektiert wird. Deswegen wird nicht aus jedem Youngtimer automatisch ein qualifizierter Oldtimer.


Erhaltungszustand des Oldtimers wesentlich für den Wert

Wie hoch der Wert genau ist, zeigen das Oldtimer-Gutachten und die Klassifizierung des Oldtimers. Für die Oldtimer-Bewertung ist neben dem Modell der Erhaltungszustand entscheidend. Dafür hat die Sachverständigenorganisation Classic Data ein anerkanntes Notensystem entwickelt. Oldtimer werden dabei in fünf Kategorien eingeteilt:

Zustand 1: sehr gut

Das Auto ist in einem makellosen Zustand ohne Mängel und Schäden. Es weist keine Gebrauchspuren oder technischen Fehler auf. Es wurde komplett zerlegt und fachmännisch restauriert, was sich durch eine Fotodokumentation belegen lässt. Der Zustand ist original, das heißt, der Motor und andere wichtige Teile sind dieselben, die ursprünglich in das Fahrzeug eingebaut wurden. Neben der Note 1 ist auch eine 1+ möglich, wenn der Oldtimer den Auslieferungszustand übertrifft – etwa durch verbesserte Korrosionsvorsorge. Die Bestnote 1 ist für Oldtimer nur selten wirklich gerechtfertigt.

Zustand 2: gut

Autos mit Note 2 befinden sich in einem guten Zustand ohne größere Mängel. Diese Situation ist typisch für professionell restaurierte Autos nach einigen Jahren des schonenden Gebrauchs. Einfache Gebrauchsspuren, etwa am Lack oder an den Pedalen, sind zu tolerieren. Einige nicht originale Teile sind erlaubt, sofern es möglich ist, diese auszutauschen. Korrosion darf nicht vorhanden sein.

Zustand 3: gebraucht

Das Auto ist fahrbereit, verkehrssicher und ohne große Mängel. Es darf verschiedene kleinere Mängel haben, die dem Alter entsprechen. Als wichtigster Unterschied zur Stufe 2 ist sichtbarer Rost erlaubt, allerdings nicht an tragenden Teilen.

Zustand 4: abgenutzt

Fahrzeuge in diesem Zustand sind nicht sofort fahrbereit und weisen größere Mängel auf. Das Auto ist zumindest rollbar. Der Motor muss nicht anspringen, aber drehbar sein. Es sind weitgehend alle Teile für die Restaurierung vorhanden, jedoch darf das Auto Durchrostungen und Schäden aufweisen. In einer Oldtimer-Werkstatt lässt sich ein Auto in diesem Zustand wiederherrichten.

Zustand 5: erhebliche Mängel

Bei Autos in diesem Zustand ist eine Oldtimer-Restauration nur mit großem Aufwand möglich. Ob sich der Wagen wiederherstellen lässt, hängt ab vom Zustand der Bodengruppe und Karosserie sowie von der Verfügbarkeit der benötigten Ersatzteile. Auch der Fahrzeugtyp spielt eine Rolle. Bei einem historischen Porsche zum Beispiel wird man angesichts des zu erwartenden Wertes die Arbeit meist in Angriff nehmen; bei einem alten Ford oder Fiat in schlechtem Zustand vielleicht eher nicht.


Patina bei Originalfahrzeugen kann erhaltenswert sein

Neben dieser klassischen Einordnung in fünf Stufen nach Erhaltungszustand gibt es eine zunehmende Tendenz in der Oldtimerszene, auf eine hochwertige Restaurierung zu verzichten. Man spricht dann von einem unrestaurierten Originalzustand. Dabei streben die Sammler einen funktionsfähigen Oldtimer an, bei dem die Patina erhalten bleibt. Das gilt besonders für Fälle, in denen das einzelne Fahrzeug eine spezielle Geschichte hat. Wenn bekannte Persönlichkeiten mit einem Auto gefahren sind oder das Fahrzeug in einem Film zu sehen war, wird man es möglicherweise im Originalzustand erhalten wollen. Ein Oldtimer-Wertgutachten zu den Kosten, die bei einer Restaurierung zu erwarten sind, hilft bei solchen Entscheidungen.  


Historische Einordnung der Oldtimer erfolgt nach Altersklassen

Ein weiteres wichtiges Merkmal für die Einstufung historischer Fahrzeuge ist das Alter. Im Rahmen eines Wertgutachtens für Oldtimer wird eine solche Einstufung normalerweise vorgenommen. Auch wenn sich das Alter nicht unmittelbar auf den Wert auswirkt. Die Einstufungen hat die FIVA (Federation Internationale Vehicules Anciens) entworfen, der weltweite Dachverband der Oldtimerclubs.

Folgende sieben Stufen gibt es:

  • A: bis 1904 „Ancestor“
  • B: 1905 bis 1918 „Veteran“
  • C: 1919 bis 1930 „Vintage“
  • D: 1931 bis 1945 „Post Vintage“
  • E: 1946 bis 1960 „Post War“
  • F: 1961 bis 1970
  • G: ab 1971: mindestens 30 Jahre alt

Viele Faktoren der Oldtimer-Klassifizierung fließen in Wert ein

Um den Wert eines Oldtimers zu ermitteln, dienen die angeführten Kategorien einer ersten Einordnung. Wie hoch der Wert genau zu taxieren ist, zeigt ein Oldtimer-Wertgutachten. Begehrte Modelle erzielen hohe fünf-, wenn nicht sechsstellige Beträge. Dem stehen stattliche Investitionen in Fachwerkstätten und Ersatzteile gegenüber. Neben Marke und Modell beeinflussen Faktoren wie Anzahl der Vorbesitzer, Farbe und Baujahr den Wert. Ein erfahrener Experte schätzt den Wert realistisch ein und berät in der Frage, welche Stufe der Restaurierung sich bei dem jeweiligen Modell lohnt. Die Kosten eines fachmännischen Befunds hängen vom Aufwand ab. Vergleichsweise günstig ist eine Kurzbewertung ab etwa 150 Euro. Dafür werden Fotos gemacht, die Fahrgestellnummer sowie die Motornummer kontrolliert und der technische Zustand taxiert. Teurer wird eine umfangreichere Beurteilung, die unter anderem die eingehende Prüfung von Lackierung, Motorraum, Unterboden und Innenraum umfasst, inklusive Einzelbenotung und Einschätzung des Restaurierungsaufwands. Diesen Service müssen Oldtimer-Halter mit etwa 300 Euro oder 0,2% des Fahrzeugwerts bezahlen.