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Im Karneval kann schnell ein Unfall passieren, zum Beispiel, wenn geworfene Kamellen ins Auge gehen. Doch wie sieht es in solchen Situationen mit der Haftung aus? Bekommen Betroffene Schmerzensgeld und Schadensersatz?

In der fünften Jahreszeit geht es vielerorts hoch her: Straßen, Plätze und Festzelte werden von feiernden Jecken bevölkert und es fließt reichlich Alkohol. Schnell kann es im Karneval zu einem Unfall kommen und wenn es sich nicht gerade um die offizielle Betriebsfeier der eigenen Firma handelt, sind Verletzte nicht über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Diese greift nämlich nur bei Unfällen, die sich im Zusammenhang mit der Arbeit ereignen, also im Büro, bei organisierten Firmenveranstaltungen und auf den zugehörigen Wegen. In anderen Situationen sind Betroffene auf ihre private Unfallversicherung angewiesen, sofern eine besteht. Je nach Art des Unfalls kann eventuell aber auch eine dritte Person haftbar gemacht werden und der Verletzte erhält Schmerzensgeld.


Kamelle und andere Wurfgeschosse: Karnevals-Unfall beim Umzug

Der klassische Rosenmontagszug und die diversen anderen Umzüge sind ohne Zweifel Pflichtveranstaltungen für echte Karnevalisten. Diese begeben sich dort aber unter Umständen auf ein gefährliches Pflaster: Von den Wagen werden Blumen, Kamellen und andere Süßigkeiten geworfen und wer unglücklich getroffen wird, trägt möglicherweise Verletzungen davon. So ging es zum Beispiel einer Frau, deren Fall vor dem Amtsgericht Köln verhandelt wurde: Auf dem Kölner Rosenmontagszug traf ein Schokoriegel sie am Kopf, sie erlitt eine Augenverletzung und musste mehrfach im Krankenhaus behandelt werden. Deshalb forderte sie Schadenersatz, was das Gericht aber nicht für gerechtfertigt erklärte (AZ 123 C 254/10). Auf einem Karnevalsumzug sei damit zu rechnen, dass kleine Gegenstände geworfen werden, so die Richter. Eine Haftung des Veranstalters oder des Werfers tritt in einem solchen Fall also nicht ein.

Bereits 1986 urteilte das Amtsgericht Eschweiler ähnlich: Hier war eine geworfene Blume der Grund für eine Augenverletzung und die geschädigte Person war mit ihrer Forderung nach Schmerzensgeld ebenfalls nicht erfolgreich (AZ 6 C 599/85). Ähnlich ging es einem Jecken, der von einem Bonbon am Zahn verletzt wurde und vor dem Landgericht Trier klagte (AZ 1 S 150/94).


Schmerzensgeld nach Unfall mit dem Festwagen?

Doch nicht nur fliegende Gegenstände können für Verletzungen sorgen: Im Karneval kann auch ein Unfall mit einem Festwagen passieren. Das Landgericht Koblenz beschäftigte sich mit dem Fall einer Frau, die auf dem Rosenmontagszug in Mainz von einem ausschwenkenden Wagen verletzt wurde. Sie verlangte vom Veranstalter des Umzugs und dem Fahrer des Wagens Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch auch ihre Klage blieb ohne Erfolg: Die Richter vertraten die Auffassung, dass der Veranstalter seiner Verkehrssicherungspflicht zur Genüge nachgekommen sei, indem er eine Absperrung aufgestellt habe. Auch dem Fahrer des Festwagens konnte keine Haftung zugesprochen werden (AZ 3 U 985/13).


Rempeleien und Rutschgefahr: Wie ist die Haftung geregelt?

Umzüge sind aber nicht die einzige Situation, in der es im Karneval zu einem Unfall kommen kann. Schnell gibt es beim Feiern unter Alkoholeinfluss eine Rempelei, jemand stürzt und bricht sich möglicherweise etwas. Vielleicht wird aber auch das eigene Kostüm zur Stolperfalle und der Unfall passiert ganz ohne Fremdverschulden. Oder die Jecken kommen durch Straßenglätte oder verschüttete Getränke ins Rutschen – die Gelegenheiten für ein Malheur sind vielfältig. Wer durch einen Dritten geschädigt wird, kann von dessen Haftpflichtversicherung Schmerzensgeld und Schadensersatz bekommen. Oft genug kann aber niemand für den Karnevals-Unfall verantwortlich gemacht werden, der die Haftung trägt. In einem solchen Fall sind betroffene Jecken auf ihre private Unfallversicherung angewiesen.