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Honorarärzte werden unter unterschiedlichen Bezeichnungen in deutschen Kliniken und Praxen vielseitig eingesetzt. Im Rahmen ihrer ärztlichen Tätigkeit sind sie erheblichen Haftungsrisiken ausgesetzt, da jeder Arzt für eine eigene schädigende Handlung haftet, ohne dass es dabei auf ein Vertragsverhältnis zwischen Patient und Arzt ankommt. Jeder Honorararzt sollte deshalb seinen Versicherungsschutz frühzeitig und umfassend prüfen lassen.


Honorarärzte

Honorarärzte werden unter unterschiedlichen Bezeichnungen in deutschen Kliniken und Praxen vielseitig eingesetzt (Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Die Tätigkeit als Honorararzt: für viele Mediziner eine zunehmend interessante Option“). Kliniken überbrücken so personelle Engpässe bei längerer Krankheit, Urlaub, Elternzeit oder sonstigen Vakanzen. Gleichzeitig kann damit das Behandlungsspektrum durch verschiedene Spezialisten, die das Krankenhaus nicht selbst vorhalten muss, sondern nur zeitlich begrenzt honorarärztlich einsetzt, erweitert werden, was die Reputation eines Hauses erhöht.

Haftungsrechtlich ist beim Honorararzt zwischen vertraglicher Haftung und der Haftung aus unerlaubter Handlung zu unterscheiden.


Vertragliche Haftung

Begibt sich ein Patient in stationäre Behandlung – ohne wahlärztliche Behandlung –, kommt zwischen ihm und dem Krankenhaus ein sogenannter totaler Krankenhausaufnahmevertrag zustande. Dabei wird der Krankenhausträger alleiniger Vertragspartner und schuldet dem Patienten die allgemeinen Krankenhausleistungen, wie die Behandlung durch ärztliches Fachpersonal, die Vornahme der Operation, das Aufklärungsgespräch, die Pflege durch Pflegepersonal sowie die Unterbringung und Verpflegung des Patienten für die Dauer des Krankenhausaufenthalts.

Der Krankenhausträger kann diagnostische und therapeutische Leistungen auch durch von außen hinzugezogene Honorarärzte erbringen lassen. Ein eigenes Vertragsverhältnis zwischen dem Honorararzt und dem Patienten wird dadurch nicht begründet; vertragliche Beziehungen bestehen ausschließlich zwischen diesem und dem Krankenhausträger.
Für alle Schäden aus dem Behandlungsvertrag haftet deshalb allein der Krankenhausträger, eventuelle Behandlungsfehler des Honorararztes muss er sich dabei zurechnen lassen. Im Rahmen des Behandlungsvertrags zwischen Krankenhausträger und Patienten ist der Honorararzt – wie ein angestellter Arzt – Erfüllungsgehilfe des Krankenhausträgers, § 278 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Gleiches gilt auch für Honorarärzte, die für niedergelassene Ärzte in deren Praxis oder für ein MVZ tätig werden. In dem Fall haftet der niedergelassene Arzt/das MVZ aus vertraglicher Haftung für das Tun des Honorararztes.

Wird der Honorararzt jedoch im Rahmen einer Wahlarztbehandlung für den Patienten tätig, entsteht ein direktes Vertragsverhältnis zwischen Arzt und Patient. Der Behandlungsvertrag wird in diesem Fall zwischen Arzt und Patient direkt geschlossen. Kommt es im Rahmen dieses Vertrags zu Behandlungsfehlern, haftet der Honorararzt unmittelbar und vollständig aus diesem Vertrag.


Haftung aus unerlaubter Handlung

Unabhängig von der vertraglichen Haftung gegenüber dem geschädigten Patienten haftet jeder Arzt für seine eigene schädigende Handlung, ohne dass es hierfür auf den Bestand eines Vertragsverhältnisses zwischen ihm und dem Patienten ankommt. Im Rahmen der Haftung aus unerlaubter Handlung (§§ 823 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs) können Patienten den Honorararzt persönlich in Anspruch nehmen, wenn er sie fehlerhaft behandelt.


Versicherungsschutz

Im Haftungsprozess werden regelmäßig sowohl der Krankenhausträger aus dem Behandlungsvertrag als auch der behandelnde Arzt aus unerlaubter Handlung in Anspruch genommen.

Deshalb sollte der Honorararzt unbedingt eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen. Dies gilt umso mehr, als der erfolgreich auf Schadenersatz in Anspruch genommene Krankenhausträger versuchen könnte, Ausgleich vom behandelnden Honorararzt zu verlangen (Regress). Verfügt der Honorararzt nicht über ausreichenden Deckungsschutz über eine eigene Berufshaftpflichtversicherung, haftet er möglicherweise mit seinem Privatvermögen.

Hinzu kommt, dass ein Hauptbestandteil der Berufshaftpflichtversicherung nicht nur die Regulierung von berechtigten Ansprüchen geschädigter Patienten darstellt, sondern der Versicherer auch die Abwehr unberechtigter Ansprüche übernimmt.

Nur in sehr seltenen Fällen ist der Deckungsschutz eines Krankenhauses so umfangreich, dass auch die Tätigkeit des Honorararztes inkl. dessen persönlicher gesetzlichen Haftpflicht mitversichert ist. Ohne entsprechende schriftliche Bestätigung des Krankenhausträgers ist die Absicherung über eine eigene Berufshaftpflichtversicherung jedoch unerlässlich. Hinzu kommt, dass bei einer Tätigkeit für verschiedene Einrichtungen, Krankenhäuser oder Praxen der Deckungsschutz dieser diversen Einrichtungen höchst unterschiedlich ausfallen kann.
Für den Honorararzt empfiehlt es sich, neben der Überprüfung des Vertrags mit dem Krankenhaus durch einen Fachanwalt auch eine umfassende und professionelle Beratung zu seiner Berufshaftpflichtversicherung einzuholen.

Von Vorteil ist, dass der Versicherungsschutz maßgeschneidert auf die Tätigkeit des Honorararztes gestaltet werden kann. So werden bei HDI das Fachgebiet, der Tätigkeitsumfang (ambulante oder ambulante und stationäre Tätigkeit) und auch der zeitliche Umfang abgefragt und bei der Tarifierung berücksichtigt.

Dipl.-Betriebswirtin (BA) Annette Dörr, HDI, Saarbrücken
Rechtsanwalt Mark Hesse, HDI, Hannover


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