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Ein aktueller Schadenfall der HDI Versicherung befasst sich mit der Planung von Anlagen, mit denen Feststoffe aus Emulsionen abgesondert werden können. Die Darstellung dieses Schadenfalles soll dazu dienen, einen Lösungsweg abseits der üblichen gerichtlichen Prozesse zu illustrieren. Einen Lösungsweg, der allen Beteiligten langwierige Gerichtsverhandlungen und ein Urteil erspart hat, das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Sache nur unvollständig gerecht geworden wäre.

Der Schadenfall selbst kann hier nur stark vereinfacht dargestellt werden. Eine detaillierte Darstellung würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Grundsätzlich ging es in dem Fall darum, dass eine Anlage zur Feststoffabsonderung neu errichtet werden sollte. Mit der Planung der Anlage beauftragte der Betreiber ein Ingenieurbüro. Technisch sollte die Anlage an bereits bestehende angelehnt werden, trotzdem aber einige Neuerungen aufweisen. Zum Beispiel sollte sie unter anderem spezielle Standards zur Verarbeitung pharmazeutischer Wirkstoffe erfüllen.


Unklarer Auftrag und technische Probleme

Bereits während der Planung war jedoch unklar, ob das Planungsbüro als Gesamtplaner für die Anlage fungierte und sich hieraus bestimmte Pflichten ergaben. Ein entsprechendes Angebot des Planungsbüros lag zwar vor, dies wurde aber durch den Anlagenbetreiber nicht unterzeichnet. „De facto nahm das Planungsbüro jedoch umfangreiche Aufgaben wahr, die in der Regel durch einen Gesamtplaner durchgeführt werden“, erklärt Florian Blohut, Leiter Planungshaftpflicht Schaden der HDI Versicherung. Unter anderem beauftragte das Büro einen weiteren Planer im Unterauftrag. Der Betreiber der Anlage wiederum vergab Aufträge an verschiedene weitere Firmen, die neben der Bauausführung ihrerseits wieder Teilplanungen und Detailplanungen übernahmen.

Bei der neu errichteten Anlage traten dann von Anfang an Probleme auf. Zu einer formalen Abnahme der Neubauten ist es daher nie gekommen. Unter anderem wurden die pharmaspezifischen Auflagen nicht erfüllt und ein Filtersystem arbeitete nicht zufriedenstellend. Bei einem Probebetrieb kam es dann zu einer heftigen Explosion, bei der  die neu errichtete Anlage zum größten Teil zerstört wurde. Die anschließende Suche nach der Ursache für die Explosion gestaltete sich extrem schwierig. Denn aufgrund der hohen Komplexität des Prozesses, der Vielzahl an Neuerungen und Problemen bei der Inbetriebnahme war davon auszugehen, dass die Explosion nicht auf einen einzigen Umstand zurückzuführen war, sondern auf eine Verkettung mehrerer Ursachen.


Der Rechtsweg wird eingeschlagen

Jetzt begannen die Auseinandersetzungen der beteiligten Parteien um Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten bei Planung und Errichtung der Anlage. Unter anderem ging es dabei um Punkte wie die Verantwortung für die eigenständige Entwicklung der Filteranlage, an welcher Stelle des Prozesses Proben entnommen wurden, welche Art Rührwerke auf wessen Initiative verbaut wurde sowie eine Vielzahl weiterer angeblicher Fehler bei Planung und Errichtung. Außerdem war die Höhe der Schadensumme strittig. Als Folge verklagten die beteiligten Parteien sich gegenseitig.

Die HDI Versicherung, Berufshaftpflichtversicherer des Planungsbüros, sah bei diesem Vorgehen die realistische Gefahr, dass man sich in jahrelangen kostspieligen Gerichtsverfahren gegenüberstehen würde. „Wir gingen außerdem davon aus, dass die Schuldfrage aufgrund der komplexen und ineinandergreifenden Vorgänge, die letztendlich zu  dem Schaden führten, wenn überhaupt, dann nur mit sehr hohem Aufwand gänzlich geklärt werden könnte“, ergänzt HDI Abteilungsleiter Blohut. Von Beginn an arbeitete man bei dem Versicherer daher auf einen Vergleich hin, der den Interessen aller beteiligten Parteien gerecht werden könnte.


Mediation bringt die Beteiligten an einen Tisch

Bei der Suche nach einer Lösung kam unter anderem die Methode der Mediation zum Einsatz. Hierunter versteht man ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konflikts. Unabhängige Dritte begleiten dabei die Konfliktparteien in ihrem Lösungsprozess. Die Parteien versuchen, zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Im hier dargestellten Schadenfall übernahm einer der an den verschiedenen Gerichtsverfahren beteiligten Richter die Rolle des unabhängigen Mediators.

Im Bereich Schaden der HDI Versicherung hat bereits eine Reihe von Führungskräften ebenfalls die Ausbildung zum Mediator absolviert und vertritt die Interessen des Versicherers. Auch wenn die HDI Mitarbeiter in einem solchen Fall nicht unparteiisch sind, hat sich die Methode dennoch bewährt. Denn die Kenntnisse der Grundlagen einer Mediation können helfen, in einem Konflikt auch die Interessen der anderen Seite zu erkennen und auf diese qualifiziert einzugehen.

Mit der Ausbildung der Mediatoren hat der Versicherer bereits vor einiger Zeit auf vermehrte Anfragen von Kunden reagiert, die sich dafür interessierten, ob er bei Streitigkeiten zwischen Versicherungsnehmern und Anspruchstellern auch die Möglichkeiten außergerichtlicher Lösungswege wahrnehme. Zu diesen gehören zum Beispiel Schlichtungs- und Schiedsverfahren und eben auch das Verfahren der Mediation. HDI nutzt seitdem verschiedene Elemente der Mediation als Verfahren zur Konfliktbeilegung.


Schlichtung und Vergleich

Ein wichtiges Element der Mediation ist unter anderem der Perspektivenwechsel. So hilft es häufig bereits, den Parteien aufzuzeigen, dass ein Konflikt an sich nicht negativ ist und viel erreicht werden kann, indem der Blick auf die andere Seite geschärft und die Interessen des jeweils anderen geprüft werden. Auch Emotionen spielen bei Schadenfällen häufig eine zentrale Rolle. „Es gibt Schadenfälle, bei denen die gestörte Beziehung unter den Beteiligten eine Lösung fast unmöglich macht. Und gerade bei emotional aufgeladenen Konflikten kann die Mediation sehr hilfreich sein und Lösungswege aufzeigen“, berichtet Florian Blohut.

Auch bei dem hier betrachteten Schadenfall war dies der Fall. Nachdem es gelungen war, die Beteiligten wieder an einen Tisch zu bringen, konnte eine sachgerechte Lösung gefunden werden. Ein sonst mit Sicherheit jahrelang andauernder und für alle Seiten sehr kostenintensiver Rechtsstreit konnte so innerhalb kurzer Zeit beigelegt werden.
Letztlich wurden die Rechtsstreite in dem oben geschilderten Schadenfall in dem Mediationsverfahren am zuständigen Landgericht durch Vergleich beendet. Dieser sah eine  den jeweiligen Verursachungsanteilen entsprechende Verteilung des Schadens auf die Beteiligten vor. Die HDI Versicherung übernahm den Anteil ihres Kunden.


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