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Im Dezember 2015 verkündete Bundesminister Alexander Dobrindt auf dem Zukunftsforum Digitales Planen und Bauen seine Pläne zur Einführung von BIM. Nun ist BIM in aller Munde und wird vor allem als „Wunderwaffe“ gegen nahezu alle Probleme bei der Planung und Realisierung von Bauvorhaben gefeiert. Wir haben BIM für Sie aus rechtlicher Sicht unter die Lupe genommen und zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.


Was steckt hinter BIM?

Der geltende Grundsatz „Erst planen, dann bauen!“ wird mit BIM um „Erst digital, dann real!“ ergänzt. Building Information Modeling (kurz „BIM“) ist eine digitale Planungsmethode, mit der alle für den Lebenszyklus eines Bauwerks relevanten Projektinformationen durchgängig, zentral und transparent erfasst, verknüpft, koordiniert und ausgetauscht werden können. BIM ist allerdings kein Selbstläufer – vielmehr können mit BIM nur die Ziele erreicht und Informationen ausgelesen werden, die zuvor definiert und eingearbeitet wurden. Es liegt auf der Hand, dass sich die anfallenden Arbeiten vor allem auf die Anfangsphase eines Projekts verlagern werden.

Ein wesentlicher Vorteil von BIM ist, dass alle Projektbeteiligten an einem gemeinsamen Modell arbeiten. Auf diese Weise sind Fehler einfacher und schneller aufzufinden. Auch kann der geplante Verlauf des Bauvorhabens jederzeit mit dem tatsächlichen Baufortschritt abgeglichen werden. BIM verspricht gerade bei der Zeit- und Kostenkontrolle erheblich mehr Transparenz. Allerdings setzt der Erfolg eines Projekts (auch) mit BIM zwangsläufig die Verwendung zutreffender Daten voraus; fehlerhafte Eingangsparameter und ihre Folgen (z. B. nicht abgeschlossene Planung, utopische Kosten- und/oder Bauzeitvorstellungen) lassen sich auch mit BIM allein nicht vermeiden oder beseitigen.

Das BIM-Modell kann auch nach Abschluss des Bauvorhabens weiter zum Einsatz kommen. Es ist sowohl für die Mängelverfolgung als auch für das spätere Gebäude- und Facility-Management interessant, da dem Eigentümer mit dem BIM-Modell transparent zahlreiche Informationen zu seinem Gebäude zur Verfügung stehen.


Einsatzformen

Beim Einsatz von BIM ist zunächst auf technischer Ebene zwischen „Little BIM“ und „Big BIM“ zu unterscheiden. Bei „Little BIM“ werden spezifische Softwareprogramme nur für bestimmte (fachspezifische) Planungsaufgaben eingesetzt (sog. Insellösung). Bei der Anwendung von „Big BIM“ hingegen finden Datenaustausch und Koordination der verschiedenen Planungsteile über die vernetzte Plattform statt. Das digitale Gebäudemodell verbindet verschiedene Disziplinen und kann in verschiedenen Lebenszyklusphasen durchgängig eingesetzt werden.

Darüber hinaus wird im Hinblick auf die einzusetzende Software bzw. den Datenaustausch zwischen „Closed BIM“ und „Open BIM“ differenziert. „Closed BIM“ bedeutet, dass ein bestimmtes Softwareprodukt eines Herstellers und damit proprietäre Datenaustauschformate zum Einsatz kommen. „Open BIM“ erlaubt dagegen den Einsatz von Softwareprodukten verschiedener Hersteller und die Verwendung offener Formate für den Datenaustausch. Ein solch neutrales Austauschformat ist das sog. IFC (Industry Foundation Classes). Gerade für die Anwendung von „Open BIM“-Modellen besteht technisch jedoch noch Entwicklungsbedarf, vor allem im Hinblick auf die bestehenden Schnittstellen.

Praxistipp: Um erste Erfahrungen mit BIM zu sammeln, bieten sich Projekte an, bei denen mit „Little Closed BIM“, also einer bestimmten Software und nur bezüglich eines spezifischen Fachmodells gearbeitet wird.


BIM-Manager

Oft wird die Einführung eines sog. „BIM-Managers“ empfohlen, dessen Aufgabengebiet allerdings nicht klar definiert ist. Neben klassischen Aufgaben des Projektmanagements oder der Projektsteuerung kommen zunächst technische Aufgaben in Betracht (z. B. Beratung im Umgang mit der neuen Software, Sicherstellung der Datenqualität und Koordination der Datenlieferungsprozesse (IT-Administration). Darüber hinaus kann der BIM-Manager auch strategische und administrative Aufgaben wahrnehmen. Der jeweilige Aufgabenbereich wird sich in der Regel nach den Anforderungen des konkreten Projekts, den Fähigkeiten der Beteiligten und nicht zuletzt nach den Bedürfnissen des Auftraggebers richten.

Die Aufgaben eines BIM-Managers können (vollständig oder partiell) einem oder mehreren Beteiligten übertragen werden. Auch die Hinzuziehung einer externen Person kommt in Betracht. Jede der vorgenannten Möglichkeiten ist mit Vor- und Nachteilen verbunden (erforderliches Know-how, Kosten etc.). Mittelfristig wird die Funktion des BIM-Managers wohl von den Objektplanern wahrgenommen, gerade wenn man davon ausgeht, dass die BIM-Koordination zu den vom Objektplaner nach der HOAI zu erbringenden Grundleistungen gehört. Bis zu einer Klärung der jeweiligen Aufgabenbereiche sind eindeutige vertragliche Regelungen auch an dieser Stelle unerlässlich.


Normen

Die Entwicklung einheitlicher Standards und Regeln für die Arbeit mit BIM steht noch am Anfang. Mit den sog. „Industry Foundation Classes“ (IFC) hat die Organisation buildingSMART International (bSI) einen weltweit akzeptierten Datenaustauschstandard geschaffen, der mittlerweile auch als EN ISO 16739 vorliegt. Seitens des Deutschen Instituts für Normung (DIN) wird die DIN EN ISO 16739 für Anfang 2017 geplant.

In Bezug auf die Schaffung einer „gemeinsamen Datenumgebung“ zur organisierten Aufbewahrung und zum verlustfreien Austausch der im Planungs- und Bauprozess erzeugten Daten wird derzeit die ISO 19650 erarbeitet. Auf nationaler Ebene erfolgt deren Umsetzung im Rahmen der Richtlinienreihe VDI 2552. Es sollen insbesondere nationale Klassifikationssysteme für die BIM-Elemente und Attribute sowie für die Detaillierungsgrade der Datenübergaben im Infrastrukturbereich definiert werden. Im Januar 2017 hat der fachbereichsübergreifende Koordinierungskreis Building Information Modeling des VDI mit der Richtlinie 2552 Blatt 3 „BIM – Mengen/Controlling“ die erste dieser Richtlinien veröffentlicht (Abrufbar unter https://www.vdi.de/technik/fachthemen/bauen-und-gebaeudetechnik/fachbereiche/bautechnik/richtlinien/richtlinienreihe-vdi-2552-building-information-modeling)


Vertragsgestaltung – altbekannte und neue Probleme

Wie bisher schuldet der Planer regelmäßig die Planung und Realisierung des vereinbarten Bauwerks und damit einen bestimmten Werkerfolg. Die konkret geschuldeten Planungsleistungen werden in der Praxis (leider) oft durch einen Verweis auf die Leistungsbilder und Leistungsphasen der HOAI definiert. Diese Art der Leistungsbestimmung ist ungenau und führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Parteien. Die bestehenden Probleme werden sich in Zukunft mehren, weil die Leistungsbilder und Leistungsphasen der HOAI gerade die BIM-typischen Leistungen noch ungenauer oder auch gar nicht beschreiben.

Beispiel: Wie ist eine „ausschreibungsreife Leistung, auf der ein Generalunternehmer aufbauen kann“, beim Einsatz von (welcher?) BIM-Software zu definieren?

Der Erfolg auch eines BIM-Projekts hängt folglich zunächst wesentlich von der genauen Definition sowohl der Projektziele als auch der von den Beteiligten zu erbringenden Einzelleistungen ab. Darüber hinaus müssen die Einzelleistungen fortwährend aufeinander abgestimmt und weiterentwickelt werden. Beim Einsatz von BIM kommen nicht nur technische, sondern vor allem auch ablaufbezogene Anforderungen in Bezug auf die Arbeit mit den Datenmodellen hinzu. Insbesondere die Lieferung und Koordination der Daten muss von Beginn an präzise geregelt werden.

Beispiel: Wer darf/muss wann in welcher Weise welche Daten in welcher Form importieren? Wer ist für die Koordination, wer für die Inhalts- und wer für die Kollisionsprüfung verantwortlich? Innerhalb welcher Zeiträume haben diese Prüfungen zu erfolgen?

Für all diese Fragen gibt es noch keine „Standards“, wohl aber erste Vorschläge zu allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Arbeit mit BIM. Ungeachtet der Frage, wie die bestehenden Probleme gelöst werden, muss eine einheitliche Lösung für das jeweilige Projekt oberstes Ziel sein. Für den erfolgreichen Einsatz von BIM ist es unerlässlich, die genaue Art der integralen Zusammenarbeit mittels BIM zwischen den Beteiligten verbindlich zu regeln. Dies betrifft sowohl die Definition von messbaren Zielen dieser Zusammenarbeit als auch deren Organisation und Ablauf einschließlich der einzusetzenden Arbeitsmethoden und der technischen Umsetzung im Projekt. Des Weiteren sind klare Regelungen zum Datenaustauch und zu den (teilweise neuen) Zuständigkeiten vertraglich zu fixieren.

Praxistipp: Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Vorgaben in den einzelnen Planerverträgen und den projektspezifischen Vertragsunterlagen nicht widersprechen. Insbesondere in Bezug auf das Leistungssoll und die Zuständigkeiten der einzelnen Projektbeteiligten sollten die Vertragsdokumente aufeinander abgestimmt werden, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Wie bereits erwähnt, setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mehrerer Beteiligter immer voraus, dass die Leistungspflichten und somit die Verträge der Beteiligten aufeinander abgestimmt werden. Hierfür kann sich ein Vertrag mit mehreren Parteien anbieten, wie es beispielsweise in Großbritannien oft praktiziert wird. Schwierigkeiten ergeben sich allerdings regelmäßig, wenn nicht alle Leistungen gleichzeitig vergeben werden oder wenn im Nachhinein weitere Projektbeteiligte hinzustoßen. In solchen Fällen bedarf es mehrerer Einzelverträge, deren Leistungspflichten und Schnittstellen besonders akribisch aufeinander abgestimmt werden müssen.

Dies setzt freilich voraus, dass der Auftraggeber zu Beginn des BIM-Projekts weiß, was er will. Er soll seine Ziele und die damit einhergehenden Anforderungen an den BIM-Einsatz über sog. Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) kommunizieren. Die AIA stellen im Ergebnis eine Art Bedarfsanalyse dar; aus ihr sind u. a. das Planungsergebnis, dessen Eigenschaften und die anzuwendenden Planungsmethoden zu entwickeln. Demgegenüber beschäftigt sich der sog. BIM-Abwicklungsplan (BAP) mit der Erforderlichkeit und Durchführung der einzelnen Prozesse. Er konkretisiert die technische Ausgestaltung der bereits definierten Leistungserfolge und ist eine Art Fahrplan für die Erstellung, Weitergabe und Verwaltung der Daten. Zur Vermeidung nachträglicher Streitigkeiten sollten die vorstehenden Aspekte bereits vor Vertragsschluss geklärt sein.


BIM-Planungsleistungen und die HOAI

Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, wie sog. BIM-Leistungen zu vergüten sind. Nach dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen soll die Durchführung von BIM-Projekten keinen Änderungsbedarf bei der HOAI begründen.  In der juristischen Literatur ist man sich bei der Beantwortung der Frage allerdings nicht so einig. Gerichtsentscheidungen liegen noch nicht vor.

Fest steht, dass die HOAI nach allgemeiner Ansicht reines Preisrecht beinhaltet. Die HOAI definiert folglich keine Leistungspflichten der Parteien, sondern regelt in einem gewissen Umfang, wie welche HOAI-Leistungen zu vergüten sind. Ausdrücklich erwähnt wird BIM nur in Anlage 10 zur HOAI. Dort ist die „3D oder 4D Gebäudemodellbearbeitung (Building Information Modelling BIM)“ als Besondere Leistung der Leistungsphase 2 vorgesehen. Es ist jedoch fraglich, ob aus dieser einmaligen Erwähnung als Besondere Leistung geschlossen werden kann, dass BIM-Planungsleistungen in allen anderen Fällen entweder nicht unter die HOAI fallen oder immer als Besondere Leistungen zu vergüten sind.  

Auch wenn sich die HOAI in ihrer derzeitigen Ausgestaltung naturgemäß an den herkömmlichen Planungsmethoden und -prozessen orientiert, sieht sie für die in den einzelnen Leistungsphasen zu erbringenden Leistungen gerade keine bestimmten Methoden vor. Vielmehr wird die Vergütung unabhängig von der eingesetzten Planungsmethode bestimmt. BIM ist letztlich nur die neueste Planungsmethode, mit der Leistungen erbracht werden können, und zwar ungeachtet der Frage, ob sie als Grund- oder Besondere Leistungen im Sinne der HOAI zu qualifizieren sind. Bei diesem Verständnis muss für jede im Rahmen eines BIM-Projekts zu erbringende Leistung geprüft werden, ob und, bejahendenfalls, in welchem Umfang sie der Umsetzung einer Grundleistung oder einer Besonderen Leistung dient oder als zusätzliche Leistung erbracht wird. Solange es hier an Erfahrungswerten fehlt, werden sich die Beteiligten mit der Abgrenzung schwertun – attraktiver wird der Einsatz von BIM hierdurch ganz sicher nicht.

Praxistipp: Die Anwendung von BIM kann mit erheblichem Mehraufwand verbunden sein, aber auch zu deutlichen Leistungseinsparungen führen. Auch an dieser Stelle bieten sich daher individuelle Lösungen an, die dem Einzelfall gerecht werden.

Auf sog. Transformationsverträge, die zur rein technischen Umsetzung einer 2D-Planung in BIM geschlossen werden (beispielsweise, um das Facility-Management zu erleichtern), findet die HOAI dagegen keine Anwendung.


„Verschiebung“ der Leistungsphasen und Einordnung „neuer“ BIM-Leistungen

BIM-Projekte weisen in der Regel bereits zu Beginn einen vergleichsweise hohen Detaillierungsgrad auf. Viele Informationen werden daher frühzeitig benötigt, wodurch es oft zu einer Vorverlagerung der auszuführenden Leistungen kommt. Erfahrungswerte zu der Frage, welche geometrischen Informationen und Attributierungen (sog. Modellierungstiefe) in welcher HOAI-Leistungsphase zu erbringen sind, fehlen allerdings (noch).
 
Praxistipp: Trotz der bestehenden technischen Möglichkeiten sollten im Sinne der Effizienz und Kostenminimierung nur solche Daten erzeugt und verarbeitet werden, die bei der Planung und/oder für die spätere Nutzung des Gebäudes benötigt werden.

Ein Vorteil der integrativen Planung ist, dass alle Fachmodelle frühzeitig in einem Koordinationsmodell zusammengefügt werden und auf Kollisionen bzw. Konsistenz überprüft werden können. Fehler und Widersprüche können so schneller entdeckt und beseitigt werden. Ein solches Vorgehen erfordert aber einen deutlich höheren Abstimmungs- und Koordinationsaufwand. Auch wenn zu den Leistungen eines vollumfänglich beauftragten Objektplaners nach der HOAI die Koordination des Planungsprozesses und die Integration der Leistungen der einzelnen Fachplaner gehören, dürfte der insoweit bei BIM-Projekten regelmäßig anfallende Mehraufwand von dem Honorar nach der HOAI nicht umfasst sein. Um Streitigkeiten zu vermeiden, sind allerdings auch hier eindeutige vertragliche Regelungen dringend zu empfehlen.

Ungeachtet dessen kommt hinzu, dass dem Planer eines BIM-Projekts gerade im Rahmen der Koordinationskontrolle eine gewisse IT-Kompetenz abverlangt wird. Die von der Software analysierten Konflikte müssen ausgewertet und Lösungen erarbeitet werden. Oft wird hierzu der Einsatz eines sog. BIM-Managers empfohlen, der sich „hauptberuflich“ um alle in Verbindung mit BIM auftretenden Besonderheiten, Abstimmungen, Kollisionen und Meinungsverschiedenheiten kümmert. Gerade bei Großprojekten kann sich der Einsatz eines solchen BIM-Managers schnell rentieren.


Vergaberecht

Die gesetzliche Grundlage für den Einsatz von BIM wurde mit der EU-Vergaberichtlinie  und ihrer Umsetzung in das deutsche Recht bereits geschaffen. Gemäß § 12 Abs. 2 VgV können öffentliche Auftraggeber im Rahmen der Vergabe von Bauleistungen und für Wettbewerbe die Nutzung elektronischer Mittel für die Bauwerksdatenmodellierung verlangen. § 97 GWB, der die Grundsätze der Vergabe regelt, sieht in Abs. 3 vor, dass auch Aspekte der „Qualität und der Innovation“ zu berücksichtigen sind; beides kann beim Einsatz von BIM durchaus bejaht werden. Auch die Förderung mittelständischer Interessen und das Gebot der Losvergabe (vgl. § 97 Abs. 4 GWB) stehen nicht per se im Widerspruch zur Ausschreibung von BIM-Projekten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Tendenz wird man nämlich auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen erwarten können, sich die für BIM-Projekte typischerweise erforderlichen Fähigkeiten anzueignen.

Ungleich schwieriger ist es, die Einhaltung des Grundsatzes der produktneutralen Ausschreibung zu gewährleisten. Zur Erinnerung: Nur bei Open BIM wird der Einsatz von Softwareprodukten verschiedener Hersteller und die Verwendung offener Formate für den Datenaustausch ermöglicht; Closed BIM hingegen basiert oft auf individuellen Softwarelösungen, die mit den konkreten Anforderungen des Auftraggebers nicht zwingend kompatibel sind. Die Ausschreibung einer bestimmten kompatiblen Softwarelösung kann jedoch den Grundsatz der produktneutralen Ausschreibung verletzen. Gerade aus vergaberechtlicher Sicht sind noch viele Probleme ungelöst.


Datenhoheit, Urheberrecht und Datenschutz

Bei der Arbeit an einem einzigen digitalen Modell ergeben sich zwangsläufig Fragen zu den Themen Datenhoheit, Urheberrecht und Datenschutz.

Unter Datenhoheit ist die Frage zu verstehen, wer über entsprechende Zugriffs-, Nutzungs- und insbesondere Änderungsrechte am BIM-Datenmodell verfügen soll. Eindeutige Regelungen zur Datenhoheit verhindern, dass sich durch unkoordiniertes Zusammenarbeiten parallele oder gar unterschiedliche Bearbeitungsstände ergeben, die letztlich zu Nachträgen, Mehrkosten und/oder Bauzeitverlängerung führen können. Die Software allein kann dies nicht verhindern.

Insbesondere dem Auftraggeber wird es zudem wichtig sein, dass er jederzeit auf das BIM-Modell zugreifen und auch nach Abschluss der Bauausführung beispielsweise für sein Facility-Management darüber verfügen kann. Da Eigentum an einem Datenmodell nicht möglich ist, müssen hierzu Nutzungs- und Verwertungsrechte vertraglich geregelt werden. In Bezug auf das Urheberrecht gilt für das digitale Gebäudemodell im Ergebnis nichts anderes als für ein plastisches Gebäudemodell. Dieses fällt unstreitig unter § 2 UrhG, wenn die dortigen Anforderungen an eine persönliche geistige Schöpfung erfüllt sind. In diesem Zusammenhang können sich allerdings erhebliche Abgrenzungsschwierigkeiten ergeben; zudem ist die Möglichkeit sog. Miturheberrechte zu berücksichtigen.

Davon abgesehen befürchten insbesondere Architekten und Ingenieure im Zusammenhang mit der Arbeit am BIM-Modell, dass der Auftraggeber oder Dritte direkten Zugriff auf wertvolles, urheberrechtlich aber nicht geschütztes oder nicht schutzfähiges Know-how erhalten und dieses Know-how unberechtigt verwertet.  Mangels gesetzlicher Schutzregelungen sind hier für alle Projektbeteiligten verbindliche Regelungen in den Vertrag aufzunehmen.

Praxistipp: Planer sollten bereits bei Vertragsschluss darauf achten, dass im Vertrag Regelungen zum Schutz des eigenen Planungs-Know-hows getroffen werden, die nicht nur für den Auftraggeber, sondern auch für alle anderen Projektbeteiligten mit Zugang zum Datenmodell gelten.

Werden Daten in eine „Gemeinsame Datenumgebung“  eingespeist, müssen für diese Daten eine regelmäßige Datensicherung sowie ein entsprechender Datenschutz gewährleistet werden. Neben Schutzmaßnahmen gegenüber einem unberechtigten Zugriff ist daher auch an die Verschwiegenheit der „Berechtigten“ zu denken. Entsprechende Vertraulichkeitsvereinbarungen, sinnvollerweise verbunden mit angemessenen Pönalen, gehören daher in jeden BIM-Vertrag.


Haftung

Bei der Anwendung von BIM werden während des Planungsprozesses regelmäßig Kollisionskontrollen und Regelprüfungen durchgeführt. Planungsfehler können auf diese Weise leichter, vor allem aber früher erkannt und beseitigt werden. Das Haftungsrisiko wird so mithilfe der technischen Unterstützung verringert. Gleichzeitig werden Planungsfehler und Störungen im Planungsprozess für den Bauherrn, aber auch für alle anderen Beteiligten transparenter. Mithilfe des BIM-Modells lassen sich Veränderungen nämlich leichter ermitteln und belegen.

Praxistipp: Bereits zu Beginn der Zusammenarbeit sollte festgelegt werden, welches Prozedere bei Fehlern und/oder Veränderungen einzuhalten ist. Ein verbindliches Prozedere schafft Klarheit und ermöglicht oft schnelle, unkomplizierte Lösungen. Ein weiterer Baustein für den Erfolg eines Projekts.

Auch bei einem BIM-Projekt richtet sich die Haftung der Beteiligten grundsätzlich nach den allgemeinen Anforderungen und Grundsätzen. Neben einem Mangel ist dessen konkrete Zuordnung zu einem oder mehreren Projektbeteiligten erforderlich. Zur Vermeidung von Abgrenzungs- und Zuordnungsproblemen wird zum Teil vorgeschlagen, die Beteiligten sollten an getrennten, nur zu bestimmten Zeitpunkten zusammenzuführenden Modellen arbeiten.  Auf diese Weise lassen sich die Veränderungen und ihre Auswirkungen sicherlich leichter zuordnen; eine nur zu bestimmten Zeitpunkten erfolgende Zusammenführung kann die mit BIM verbundenen Vorteile jedoch auch schnell zunichtemachen.

Möglich ist auch eine gemeinschaftliche oder gesamtschuldnerische Haftung einzelner Beteiligter. Insoweit bestehen gegenüber konventionellen Planungsmethoden keine Besonderheiten. Eine gesamtschuldnerische Haftung  kann sich bei BIM-Projekten insbesondere zwischen den einzelnen Planern und dem BIM-Manager ergeben, etwa, wenn es sich um einen Planungsfehler handelt, den der BIM-Manager hätte erkennen können.

Wer aber haftet für Fehler, die durch die verwendete Software verursacht werden? Grundsätzlich muss der Planer sicherstellen, dass die von ihm verwendete Software zur Erbringung der von ihm geschuldeten Planungsleistung geeignet ist und verwendet werden kann. Gerade beim Einsatz von Open BIM müssen die gelieferten Planungsergebnisse ohne Datenverlust in das Modell integriert werden können, wobei die oben genannten Schnittstellenrisiken bestehen. Diese Risiken sind bei Closed BIM geringer. Es kann jedoch passieren, dass die vom Auftraggeber vorgegebene oder gewählte Software nicht ausreichend leistungsfähig ist, um all dessen Wünsche umzusetzen.

Praxistipp: Vor Vertragsschluss sollte der Planer genau prüfen, ob die zu verwendende Software – egal, ob von ihm selbst oder vom Bauherrn zur Verfügung gestellt – zur Erbringung aller vertraglich vereinbarten Leistungen geeignet ist.

Man wird von den Beteiligten erwarten können, dass sie die grundsätzliche Eignung einer vom Auftraggeber vorgegebenen Software im Rahmen ihrer Fachkenntnisse und im Rahmen des ihnen Zumutbaren prüfen; etwaige Bedenken sind dem Auftraggeber mitzuteilen. Kommt der Planer dieser Verpflichtung nach, scheidet eine Haftung für softwarebedingte Mängel regelmäßig aus. Anders kann es sich selbstverständlich bei der Verwendung einer vom Planer selbst zur Verfügung gestellten Software handeln. Ungeachtet dessen muss sich der Planer – wie sonst auch – vergewissern, dass die Informationen aus z. B. Bauteilkatalogen fehlerfrei in die Software integriert wurden.

Haben sich die Projektbeteiligten vertraglich zur Sicherstellung einer konsistenten Gesamtplanung verpflichtet, kommt eine Haftung auch im Falle einer mangelhaften Abstimmung der einzelnen Planungsleistungen in Betracht – denn genau dieser Fehler soll durch die Arbeit an einem gemeinsamen Modell vermieden werden. Probleme können sich hier ergeben, wenn für die Integration und Koordination sowohl der Objektplaner (wegen beauftragter Grundleistungen aus dem Leistungsbild Gebäude) als auch der BIM-Manager (wegen vertraglicher Leistungspflichten) verantwortlich sind. Auch hier muss die jeweilige Zuständigkeit und Verantwortlichkeit unbedingt vertraglich geregelt werden.

Geht es um Haftungsfragen, sollte immer auch der Versicherungsschutz im Auge behalten werden. Hier ist festzustellen, dass die Berufshaftpflichtversicherungen für Architekten und Ingenieure die Verwendung von BIM-Software oft, aber nicht immer als mitversicherte Leistung berücksichtigen.  Für Fehler in der Software sowie die mit BIM geschaffenen Datenmengen wird der Abschluss einer sog. Cyber-Versicherung vorgeschlagen. Wie bereits aus den vorstehenden Ausführungen hervorgeht, greifen sowohl die Leistungen der einzelnen Projektbeteiligten als auch deren Haftung bei der Verwendung von BIM noch stärker ineinander als bei den herkömmlichen Planungsmethoden. Gerade im Hinblick auf die Haftung des koordinierend tätigen Objektplaners empfiehlt sich daher der Abschluss einer gemeinsamen Projektversicherung. Sogenannte Multi-Risk-Versicherungen werden auch jetzt bereits für komplexe Bauvorhaben angeboten.


Fazit

Mit BIM kann vielen Problemen bei der Planung und Realisierung eines Bauvorhabens begegnet werden. BIM ist allerdings kein automatisierter Selbstläufer. Im Gegenteil: Wie bisher müssen zunächst die Parameter eines Projekts, insbesondere die konkret auszuführenden Leistungen, die anfallenden Kosten und die prognostizierte Bauzeit, verlässlich ermittelt werden. Illusionen in diesen Bereichen, wie wir sie in letzter Zeit gerade bei Großbauvorhaben erlebt haben, lassen sich andernfalls auch mit BIM nicht vermeiden. BIM erfordert eine vielschichtige Zusammenarbeit der Projektbeteiligten und konkret aufeinander abgestimmte Leistungen und Prozesse. Werden die grundsätzlichen Weichen zu Beginn eines Projekts „richtig“ gestellt, lassen sich mit BIM aber sehr wohl bedeutende Erfolge erzielen.

Autoren:
Stefan Hanke, LL.M.
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und
Ann-Kristin Jordan
Rechtsanwältin
Leinemann & Partner Rechtsanwälte mbB
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