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GIservice September 2017 bAV

Die Reform der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist verabschiedet. Was müssen Arbeitgeber künftig beachten und welche Chancen ergeben sich für sie? Fakt ist, Unternehmen sind gut beraten, sich rechtzeitig mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Nach zähem Ringen verabschiedete der Bundesrat Anfang Juli das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG),  das damit planmäßig zum 01.01.2018 in Kraft tritt. Das Paket hält viele Änderungen bereit und nimmt Arbeitgeber stärker in die Verantwortung. Die Inhalte des Gesetzes teilen sich in zwei wesentliche Bereiche auf: Zum einen in Änderungen, die die gesamte bAV betreffen und damit auch für kleine und mittlere Unternehmen gelten. Zum anderen in Neuerungen, die ausschließlich für die tarifvertraglich organisierte bAV anzuwenden sind.


Sozialpartnermodell – neue Wege in der bAV

So können Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände künftig über Tarifverträge sogenannte Sozialpartnermodelle vereinbaren. Diese neue Form der bAV verspricht keine garantierte Rente, sondern ermöglicht erstmals reine Beitragszusagen. Frei von jeglicher Arbeitgeberhaftung wird ein Zielrentensystem vereinbart, das dem Arbeitnehmer eine lebenslange Altersrente in Aussicht stellt, die zwar gewissenhaft geschätzt, aber eben nicht garantiert ist. Um mögliche Schwankungen der Rente auszugleichen, können die Sozialpartner einen zusätzlichen Sicherungsbeitrag festlegen, der nur vom Arbeitgeber gezahlt werden muss. Zur Durchführung können die Tarifvertragspartner eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds nutzen. Unternehmen, die keinem Tarifverbund angehören, steht es frei, sich ihrer Branchenlösung anzuschließen. Sie dürfen dabei gegenüber tarifgebundenen Firmen nicht benachteiligt werden.


Neue Fördermaßnahmen – Arbeitgeber in der Verantwortung

Um die Verbreitung der bAV in mittelständischen Betrieben zu stärken und auch Geringverdiener zum Aufbau einer Zusatzversorgung zu motivieren,  wurden weitere wichtige Änderungen für die bAV umgesetzt, die auch für tariffreie Unternehmen gelten. So wurde der steuerfreie Dotierungsrahmen von vier auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West der gesetzlichen Rentenversicherung angehoben. Dafür fällt der steuerfreie Zusatzbetrag von 1.800 Euro pro Jahr künftig weg und  pauschalbesteuerte Beiträge müssen angerechnet werden. Leider bleiben die Beiträge nur bis 4 Prozent des steuerlichen Dotierungsrahmens  sozialabgabenfrei. Hier wurde die Chance vertan, eine Doppelverbeitragung konsequent abzuschaffen. Darüber hinaus müssen Arbeitgeber  einen Zuschuss von 15 Prozent zahlen, soweit sie eine Sozialversicherungsersparnis erzielen. Die Regelung  gilt ab dem 01.01.2019, wenn ihre Mitarbeiter einen neuen bAV-Vertrag im Zuge der Entgeltumwandlung abschließen. Ab 2022 greift diese Zuschusspflicht sogar für alle bereits bestehenden Vereinbarungen – außer für Unterstützungskassen und Pensionszusagen. Im Sozialpartnermodell wird der Arbeitgeberzuschuss bereits ab 01.01.2018 verpflichtend.
Außerdem will der Gesetzgeber den Aufbau einer zusätzlichen Versorgung von Geringverdienern fördern. Sofern der Arbeitgeber 240 bis 480 Euro im Jahr in die bAV des Arbeitnehmers investiert, erhält die Firma  eine Förderung von 30 Prozent. Vorausgesetzt, der Bruttolohn des Arbeitnehmers liegt unter 2.200 Euro monatlich. Der Förderbeitrag wird unbürokratisch beim Lohnsteuerabzug erstattet.
Zusätzlich hat der Gesetzgeber einen Freibetrag eingeführt, der lebenslange Renten vor einer Anrechnung auf die Grundsicherung schützt. Auch die Riester-Förderung wird verbessert: Zum einen wird die Grundzulage auf 175 Euro erhöht, zum anderen müssen Rentner auf eine  Riester-bAV künftig keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr zahlen.


Handlungsstrategien für die Zukunft

Unternehmen sind gut beraten, sich zeitnah mit den Veränderungen durch das  Betriebsrentenstärkungsgesetz auseinanderzusetzen. Wer schon heute die Weichen stellt und sein Versorgungssystem neu ordnet, kann ohne Hektik agieren und über geeignete Personalstrategien im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung nachdenken. Gerade kleine und mittelständische Betriebe ohne Tarifanbindung haben die Chance, sich mit eigenständigen bAV-Konzepten am Arbeitsmarkt abzuheben. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz und die klassische bAV bieten flexible Möglichkeiten, Versorgungssysteme einfach, sicher und planbar zu gestalten. Insbesondere Betriebe, die bereits über eine bAV verfügen, sollten sich beraten lassen, um den neuen obligatorischen Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung auch im Bestand zu verankern. Bei einer Neuordnung betrieblicher Systeme ist Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt: Die Risikoträger der Talanx Deutschland werden eine Lösung zum Sozialpartnermodell entwickeln. Darüber hinaus wird die HDI Leben als ausgewiesener bAV-Versicherer alle Neuerungen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in ihre Produkte integrieren, um beispielsweise Geringverdiener zu fördern oder künftig die Steuervorteile einer Riester-bAV zu nutzen. Für weitere Informationen und Beratungsgespräche stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Autorin:
Sandra Spieker, Leitern HDI Fachsupport bAV, HDI Lebensversicherung AG in Köln


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